Noch vor dem ersten Schritt im Hang entscheidet der Schuh, ob der Tag im Revier Routine bleibt – oder mit einem Ausrutscher unglücklich endet. Stolpern und Rutschen zählen zu den häufigsten Unfallursachen im Forst.
Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister im aktiven Einsatz bei der Holzernte oder bei Bestandespflegemaßnahmen tragen stets die notwendige persönliche Schutzausrüstung (PSA), inklusive eines dem Gelände angepassten Schnittschutzstiefels. Aber wie ist es bei den Beschäftigten im forstlichen Außendienst? Dort spielt der Schnittschutz im Stiefel eine untergeordnete Rolle – Halt, Komfort und Rutschfestigkeit sind hier wichtig. Oft sind die Försterinnen und Förster, aber auch die Jäger*innen allein in unwegsamem Gelände unterwegs.
Ob beim Auszeichnen oder vorbereiten forstlicher Einsätze,
bei der Überprüfung jagdlicher Einrichtungen, der Revierpflege, Jagd oder
Nachsuche – Gutes Schuhwerk macht immer wieder den Unterschied welch ein Tag es
wird.
Donnerstag 7:15 - Dieser Novembermorgen beginnt mit einer Nachsuche
Es dämmert noch, als ich mit dem Hund kurz vor einer Abbruchkante im Gelände
einen Anschuss kontrolliere. Der Regen der Nacht hat den Untergrund stark
aufgeweicht, die alten Seiltrassen liegen mit altem Totholz voll und ziehen
sich wie Rutschbahnen in den Steilhang.
Ein falscher Tritt, der Fuß landet schräg auf einem glitschigen Stamm – und
genau hier trennt sich der Freizeitschuh vom Arbeitsschuh: Mit einem weichen Wanderschuh
wäre ich einfach weg gewesen.
Der feste Schaft, die steife Sohle und das grobe Profil fangen die Bewegung ab,
der Schuh bleibt auf dem Holz stehen, ich bleibe auf den Beinen. „Such voran!“
„Solche
Situationen sind für Forstleute und Jäger im Mittelgebirge Alltag. Die Frage
ist nicht, ob du sie erlebst, sondern nur, mit welchem Schuh du drinstehst.“
Was Schuhe im Forst- und Jagdalltag wirklich leisten müssen
Stabilität im Hang und zwischen Totholz – hohen Komfort... den ganzen Tag – ein gesundes Fußklima und nicht zuletzt Halt, Halt und Halt
Für mich ist die Standfestigkeit das
wichtigste Kriterium im steilen, unebenen Gelände.
Ein knöchelhoher, fester Schaft stabilisiert das Sprunggelenk, wenn du quer zum
Hang trittst, auf schrägen Ästen balancierst oder über nasse Stämme steigst.
Worauf ich achte:
- Deutlich spürbare Seitenstabilität im Sprunggelenk.
- Eine eher steife Sohle, die nicht bei jedem Ast nachgibt, sondern eine stabile Trittfläche bildet.
- Sauberer Fersenhalt, damit der Fuß im Hang nicht im Schuh „schwimmt“ oder nach vorne rutscht.
Gerade bei Nachsuchen im Steilhang oder beim Auszeichnen im abschüssigen Gelände ist diese Stabilität sicherheitsrelevant und nicht nur Komfortfrage.
Grip auf nassem Totholz, Waldboden und Fels
Die zweite zentrale Eigenschaft ist der Grip,
vor allem im nassen Mischgelände: Erde, Wurzeln, Steine, Totholz.
Ein grobes, selbstreinigendes Profil mit einer guten Gummimischung macht hier
den Unterschied, ob du kontrolliert trittst oder immer wieder am rutschen
bist.
Typische Situationen:
- Ausrutschen auf glattem, entrindetem Holz.
- Schräge Wurzeln die knapp unter dem Laub liegen.
- Nasse Felsplatten oder große Steine
- Bemooste rutschige Zustiege oder Leitersprossenbeim Weg zum Hochsitz.
Ein reiner „Wanderschuh“ mit eher flachem Profil stößt hier
schnell an Grenzen.
Sicherheitsschuhe mit Sohle nach aktuellem Stand der Technik oder steife
Bergschuhe mit ausgeprägtem Profil sind deutlich im Vorteil.
Schnittschutz, S3 oder Bergschuh? – Die richtigen Schuhe für unterschiedliche Aufgaben
Fällarbeiten und schwere Forstarbeiten: Schnittschutz Klasse 3 und S3 Schutzstandards sind Pflicht!
Bei der Holzernte und -aufarbeitung - generell wenn bei
Forstarbeiten eine Motorsäge im Einsatz ist - sind Schnittschutzstiefel der
Klasse 3 inkl. der S3 Sicherheitsstandards unerlässlich.
Zehenschutzkappe, Durchtrittschutz und eine rutschhemmende Sohle sind hier
keine „nice to have“-Eigenschaften, sondern gehören zur Grundausstattung eines
Stiefels.
Für den forstlichen Außendienst, ohne dem Einsatz von Kettensägen oder gefährlichen Werkzeugen, empfehle ich:
- S3-Sicherheitsschuhe oder -stiefel mit knöchelhohem Schaft.
- Grobes Profil mit guter Rutschhemmung auf Holz, Erde und Stein.
- Möglichst robuste, aber nicht zu weiche Zwischensohle, damit du auf liegenden Stämmen oder Ästen einen definierten Stand hast.
Ein sportlich geschnittener S3-Schuh kann heute deutlich leichter und komfortabler sein als die klassischen „Klötze“, aber die Schutzfunktionen müssen voll erhalten bleiben.
Pirsch, Nachsuche, Reviergang: Feste Bergschuhe
Für viele jagdliche Tätigkeiten im Bergrevier – Pirsch,
Nachsuche oder lediglich der Reviergang – setze ich auf stabile
Bergschuhe.
Sie bieten eine präzise Kantenstabilität im Hang, einen guten Abrollkomfort auf
längeren Distanzen und sind in gedeckten Farben erhältlich.
Hier bieten sich vor allem:
- Feste, knöchelhohe Bergschuhe mit steifer Sohle für Steilgelände.
- Modelle mit wasserdichter Membran für nasse Tage und nasse Bestände.
- Obermaterial aus robustem Leder oder Kombinationen, die auch bei Brombeeren, Felskontakt und Totholz nicht gleich nachgeben.
Solche Schuhe sind im forstberuflichen Alltag eine sinnvolle Ergänzung, etwa wenn du tagsüber Jagdeinrichtungen überprüfst und am Abend noch auf Ansitz gehst – ohne Sprühdose, aber mit Hund und Büchse im gleichen Gelände.
Klimakomfort zwischen Schlechtwettertag und Winteransitz
Die meisten Tage im Revier sind länger als acht Stunden, und
selten nur bei Schönwetter.
Schuhe müssen also dicht halten, aber auch atmungsaktiv genug sein, damit du
nicht im eigenen Schweiß stehst.
Wichtig ist für mich:
- Wasserdichte, atmungsaktive Membran (z.B. Gore-Tex), insbesondere für mehrtägige Nässeperioden.
- Je nach Region und persönlichem Kälteempfinden: moderat isolierte Modelle für Herbst/Winter vs. weniger isolierte Schuhe für milde Lagen.
- Ausreichend Platz für eine etwas kräftigere Socke im Winter, ohne die Passform zu ruinieren.
Gerade bei der Kombination aus Kraxelei im Steilhang und Ruhen (z. Bsp. beim Ansitz, oder beim Warten auf den Rücker) zeigt sich, ob der Schuh im Temperaturbereich zu dir passt.
Farbe und Optik: Unauffälligkeit ist Funktion
Für Forstleute und Jäger hat die Farbe des Schuhs nicht nur
ästhetische Gründe.
Gedeckte Farben wie Braun, Oliv oder Schwarz fügen sich besser in klassische
Forst- und Jagdbekleidung ein und vermeiden unnötige Aufmerksamkeit.
„Am Ende des Tages entscheiden Halt und Grip eines Schuhs mehr über den Erfolg im Revier als seine Farbe“
Worauf ich bei der Wahl des richtigen Schuhs achte
- Mein
Einsatzprofil im Revier
Zuerst schaue ich mir ehrlich an, wo ich die meiste Zeit verbringe: an der Motorsäge, beim Auszeichnen im Steilhang oder auf der Jagd. Sobald ich eine Motorsäge in die Hand nehme habe ich vorher einen Schnittschutzstiefel Klasse 3 inkl. S3 Sicherheitsstandards sowie die übrige PSA angezogen. Bin ich dagegen viele Kilometer im Revier zu Fuß unterwegs, kombiniere Revierarbeiten und jagdliche Einsätze, setze ich zusätzlich auf einen stabilen Bergschuh, bzw. S3 Sicherheitsstiefel, wenn ich im Außendienst zudem Holz aufnehme – Holzerntemaßnahmen kontrolliere – Aufforstungsflächen begutachte oder andere forstliche Maßnahmen vor Ort begleite. - Passform
und Leisten im Alltagseinsatz
Der beste Schuh nützt mir nichts, wenn er nicht richtig passt. Ich nehme mir daher Zeit, verschiedene Leisten zu probieren und achte darauf, wie sich der Schuh speziell auf schrägem Untergrund verhält. Im Hang darf der Fuß nicht nach vorne rutschen, die Zehen dürfen nicht anstehen, und die Ferse muss satt sitzen, ohne zu schlupfen. Gleichzeitig brauche ich genug Volumen für passende Socken, ohne im Schuh zu „schwimmen“. Wenn es möglich ist, teste ich neue Schuhe nicht nur auf ebenem Boden, sondern gezielt auf einer schrägen, hangähnlichen Fläche – das zeigt sehr schnell, ob der Schuh wirklich reviertauglich ist. - Normen
und Vorgaben sinnvoll einordnen
Im öffentlichen Dienst sowie in privaten oder kommunalen Forstbetrieben spielen Normen und Vorschriften beim Arbeitsschutz zu Recht eine wichtige Rolle. Entscheidend ist für mich, die betrieblichen und rechtlichen Vorgaben, die Gefährdungspotentiale und die realen Bedingungen im eigenen Revier zu kennen – und meine Schuhauswahl ganz bewusst daran auszurichten.
Praxisbilder aus dem Revier – wo der richtige Schuh den Unterschied macht
Nachsuche im nassen Steilhang
Das verletzte Stück Wild liegt irgendwo im felsdurchsetzten
Steilhang im Wundbett, der Hund arbeitet sich durch Brombeeren, Windwurf und
über Geröllhalden.
Bei jeder Querung eines nassen Stammes entscheidet der Schuh über Halt oder Sturz.
Ein fester Bergschuh mit steifer Sohle und griffigem Profil
gibt dir die notwendige Kontrolle und Trittsicherheit, wenn du dich
gleichzeitig auf Hund, mögliche Bestätigung und Gelände konzentrierst.
Ein zu weicher, knöchelfreier Schuh erhöht das Risiko für Umknicken und
unkontrollierte Rutscher enorm.
Fällarbeiten und Aufarbeitung
Beim Fällen und Entasten stehst du häufig auf Stämmen, in geworfenen Kronenabschnitten und auf unebenem Untergrund. Die Motorsäge,herabfallende Äste, rollende Stammabschnitte und scharfkantige Werkzeuge gehören zum riskanten Alltag.
Hier ist ein fester Schnittschutzstiefel Kl. 3 mit S3-Sicherheitsstandards
- mit stabiler Zehenschutzkappe, Durchtrittschutz und rutschhemmender Sohle unerlässlich
und vorgeschrieben.
Er schützt nicht nur vor direkten Treffern der Kettensäge, sondern auch davor,
dass spitze Gegenstände durch die Sohle dringen.
Alltag im forstlichen Außendienst
Morgens früh gilt es das Rückeunternehmen in die jüngste Holzerntemaßnahme einzuweisen. Das Starkholz wurde bereits von den Forstwirten gefällt und aufgearbeitet, überall im Bestand liegen Stammabschnitte und Kronenteile. Wichtig ist hier ein stabiler Halt beim Laufen durch die Fläche und eine Schutzkappe für die Zehen, gerade wenn ein Stammstück unerwartet auf den Fuß rollt. Zurück an der Maschine des Unternehmers ist es wichtig einen Stiefel zu tragen der mit Schmier- und Treibstoffkontakt zurechtkommt – man weiß nie. Ich fahre zur nächsten Baustelle, bei der Kontrolle des letzten Gatterbaus liegen noch abgesägte Teilstücke auf dem Waldboden, bevor ich es merke trete ich in eine abgesägte Holzlatte aus der ein Nagel herausragt – gut, dass die Sohle Durchstichschutz hat! Oft werden diese Risiken unterschätzt, ein S3 Sicherheitsstiefel bringt hier den notwendigen Schutz.
Langer Reviergang in unwegsamem Gelände – das Auszeichnen und die Bestandesvorbereitung
An anderen Tagen geht es „nur“ um das Vorbereiten von Beständen. Stundenlanges Gehen, immer wieder kurze Trittsprünge, knietiefe Gräben, nasser Boden.
Hier zahlt sich ein komfortabler, aber fester Bergschuh aus,
der gute Dämpfung mit stabiler Sohle verbindet.
Die Füße bleiben trocken, der Schuh trägt sich auch nach vielen Stunden noch
sicher, ohne müde zu machen. Immer von Vorteil ist es wenn ein Schuh der so
viele Meter macht einfach wiederbesohlt werden kann. Das erhöht die
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit der Anschaffung enorm.
Fazit aus Sicht eines Försters
Wer als Forstprofi oder Jäger im Bergrevier unterwegs ist,
sollte Schuhwerk nicht als Nebensache oder als Einsparmöglichkeit betrachten.
Der richtige Schuh entscheidet täglich über Sicherheit, Effizienz und
Gesundheit – besonders im Steilhang, bei Nässe und Schnee sowie bei
anspruchsvollen Nachsuchen.
Ich selbst fahre gut mit einem klaren System:
- Für alle Arbeiten mit Motorsäge und erhöhter Gefährdung: Schnittschutz Klasse 3 inklusive S3-Sicherheitsstandards mit knöchelhohem Schaft, robustem Profil und den geforderten Schutzfunktionen.
- Arbeiten im forstlichen Außendienst: S3-Sicherheitsstiefel mit festem Leisten, guter Passform und komfortabler Membran.
- Für
Pirsch, Nachsuche und lange Wege im Bestand: feste, jagdtaugliche
Bergschuhe in gedeckten Farben, die Stabilität, Grip und Wetterschutz
vereinen.
So bleibt die Vielfalt der Reviertätigkeiten abgedeckt – und das Risiko im Job „falsch aufzutreten“, wird deutlich reduziert. Die Abnutzung der Stiefel verteilt sich auf mehrere Paare – im Zweifel kann der bequem eingelaufene Schuh einfach neu besohlt werden. Auch ein durchnässter Stiefel kann somit mal zuhause bleiben und richtig trocknen, da ich auf sinnvolle Alternativen ausweichen kann.
Jörg Deutschländer-Wolff, Förster