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Sicherheitsschuhe: Klassen, ISO-Normen und Zertifikate im Überblick

Sicherheitsschuhe: Klassen, ISO-Normen und Zertifikate im Überblick

21. Juli 2026
Arbeiten am Berg Auswahl der richtigen Schuhe Ausrüstung und Zubehör

Sicherheitsschuhe: Klassen, ISO-Normen und Zertifikate im Überblick

S1, S3, S7S, WR, HRO: Auf dem Etikett eines Sicherheitsschuhs steht oft eine ganze Reihe von Kürzeln. Entscheidend ist nicht, möglichst viele davon zu sammeln, sondern den Schutz zu wählen, der zu deinem Arbeitsplatz passt. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Schutzklassen, Zusatzkennzeichnungen und Zertifikate richtig liest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sicherheitsschuhe mit dem Kürzel S werden nach DIN EN ISO 20345 geprüft und besitzen eine Zehenschutzkappe für hohe Belastungen.
  • Die Klassen reichen von SB bis S7S.
  • S3 bietet unter anderem Schutz des Obermaterials gegen Wasseraufnahme und Wasserdurchtritt sowie Durchtrittschutz.
  • S7 beziehungsweise S7S ergänzt diesen Schutz um die geprüfte Wasserdichtheit des gesamten Schuhs.
  • Die Kürzel P, PL und PS bezeichnen unterschiedliche Arten des Durchtrittschutzes.
  • Welche Schutzklasse erforderlich ist, ergibt sich aus der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung.

Welche Norm gilt für welche Art von Arbeitsschuh?

Im Alltag werden Berufsschuhe, Schutzschuhe und Sicherheitsschuhe häufig unter dem Begriff „Arbeitsschuhe“ zusammengefasst. Normativ sind es jedoch drei unterschiedliche Kategorien.

Schuhart Norm Zehenschutz
Sicherheitsschuhe (S) DIN EN ISO 20345 Zehenschutzkappe, geprüft mit 200 Joule Stoßenergie und 15 kN Druckkraft
Schutzschuhe (P) DIN EN ISO 20346 Zehenschutzkappe, geprüft mit 100 Joule Stoßenergie und 10 kN Druckkraft
Berufsschuhe (O) DIN EN ISO 20347 Zehenschutzkappe nicht vorgeschrieben

Die DIN EN ISO 20345 ist die zentrale Norm für Sicherheitsschuhe. Spezialgefahren – beispielsweise Kettensägenschnitte, Chemikalien oder Arbeiten in Gießereien – werden durch weitere Normen abgedeckt.

Die aktuelle deutsche Fassung wird als DIN EN ISO 20345:2024-06 geführt. Sie entspricht der europäischen Norm EN ISO 20345:2022+A1:2024. Auf Schuhen und Konformitätsunterlagen können dir deshalb unterschiedliche Jahresangaben begegnen.

Was bedeuten Klasse I und Klasse II?

  • Klasse I: Schuhe aus Leder oder anderen Materialien, ausgenommen vollständig geformte Gummi- oder Polymerschuhe.
  • Klasse II: vollständig geformte oder vulkanisierte Schuhe aus Gummi beziehungsweise Polymerwerkstoffen.

Zu Klasse I gehören unter anderem S1, S2, S3, S6 und S7. Die Kategorien S4 und S5 gehören zu Klasse II.

Sicherheitsschuh-Klassen von SB bis S7S

SB: die Grundanforderungen

SB steht für „Safety Basic“. Ein SB-Schuh erfüllt die Grundanforderungen der DIN EN ISO 20345 und besitzt die vorgeschriebene Zehenschutzkappe. Antistatik, Energieaufnahme im Fersenbereich oder Durchtrittschutz sind nicht automatisch enthalten.

S1: Grundschutz für trockene Arbeitsbereiche

S1 ergänzt die Grundanforderungen um einen geschlossenen Fersenbereich, antistatische Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich. Die Klasse eignet sich vor allem für trockene Innenbereiche, sofern die Gefährdungsbeurteilung keinen Durchtritt- oder Nässeschutz verlangt.

S2: zusätzlicher Schutz des Obermaterials

S2 umfasst die Eigenschaften von S1. Hinzu kommt die Widerstandsfähigkeit des Oberteils gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme, in der aktuellen Norm mit WPA bezeichnet. S2 ist deshalb nicht automatisch wasserdicht: Geprüft wird das Obermaterial, nicht der vollständig zusammengesetzte Schuh.

S3, S3L und S3S: Profilsohle plus Durchtrittschutz

S3 baut auf S2 auf und ergänzt eine profilierte Laufsohle sowie Durchtrittschutz:

  • S3: metallische Einlage, Typ P
  • S3L: nichtmetallische Einlage, Typ PL
  • S3S: nichtmetallische Einlage, Typ PS

Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber über S3-Sicherheitsschuhe.

S4 und S5: vollständig geformte Schuhe

S4 gehört zur Klasse II und bietet unter anderem antistatische Eigenschaften sowie Energieaufnahme im Fersenbereich. S5 ergänzt S4 um Profilsohle und Durchtrittschutz. Analog zu S3 gibt es S5, S5L und S5S.

S6: wasserdichter Schuh ohne Durchtrittschutz

S6 entspricht im Wesentlichen S2, ergänzt aber die geprüfte Wasserdichtheit des vollständig zusammengesetzten Schuhs (WR).

S7, S7L und S7S: wasserdicht mit Durchtrittschutz

S7 verbindet die Schutzmerkmale von S3 mit der geprüften Wasserdichtheit des gesamten Schuhs. Unterschieden werden S7 mit P-Einlage, S7L mit PL-Einlage und S7S mit PS-Einlage.

S3 oder S7: Wo liegt der Unterschied?

Merkmal S3/S3L/S3S S7/S7L/S7S
Zehenschutzkappe Ja Ja
Antistatische Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich Ja Ja
Schutz des Obermaterials gegen Wasseraufnahme und Wasserdurchtritt Ja Ja
Profilsohle und Durchtrittschutz Ja Ja
Geprüfte Wasserdichtheit des ganzen Schuhs Nein Ja

Ein S3-Schuh kann bei gelegentlicher Feuchtigkeit ausreichen. Bei dauerhaft nassem Untergrund, Regen, Schlamm oder stehendem Wasser kann S7 die passendere Kategorie sein. S7 ist trotzdem nicht pauschal besser: Ein wasserdichter Aufbau kann schwerer, steifer oder weniger atmungsaktiv sein.

P, PL und PS: Durchtrittschutz richtig lesen

P: metallischer Durchtrittschutz

Eine metallische P-Einlage wird mit einem Prüfnagel von 4,5 Millimetern Durchmesser getestet. Der niedrigste gemessene Kraftwert darf 1.100 Newton nicht unterschreiten.

PL: nichtmetallischer Durchtrittschutz

PL bezeichnet eine nichtmetallische Einlage, die ebenfalls mit einem 4,5-Millimeter-Prüfnagel getestet wird. Bei 1.100 Newton darf kein Durchstich erfolgen.

PS: Prüfung mit dünnerem Nagel

PS bezeichnet eine nichtmetallische Einlage, die mit einem 3-Millimeter-Prüfnagel getestet wird. Der Mittelwert aus vier Prüfungen muss mindestens 1.100 Newton erreichen; kein Einzelwert darf unter 950 Newton liegen.

Die wichtigsten Zusatzkennzeichnungen

Kürzel Geprüfte Zusatzanforderung
AAntistatische Eigenschaften
EEnergieaufnahme im Fersenbereich
WPAWiderstand des Obermaterials gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme
WRWasserdichtheit des gesamten Schuhs
FOKraftstoffbeständigkeit der Laufsohle
HROVerhalten der Laufsohle gegenüber Kontaktwärme
HI/CIWärme-/Kälteisolierung des Sohlenkomplexes
ANKnöchelschutz
MMittelfußschutz
CRSchnittfestigkeit des Schuhoberteils
LGGeprüfter Halt auf Leitern
SCAbriebfestigkeit einer Überkappe
SRZusätzliche Rutschhemmungsprüfung auf Keramikfliesen mit Glycerin

Wichtig: FO ist nach der aktuellen Norm nicht automatisch Bestandteil von S3 oder S7. Benötigst du Kraftstoffbeständigkeit, muss das Kürzel ausdrücklich angegeben sein. SR kennzeichnet eine zusätzliche Rutschhemmungsprüfung; eine grundlegende Prüfung gehört bereits zu den Basisanforderungen.

Beispiel: Was bedeutet S7S FO HRO HI CI AN?

Beim La Sportiva Nepal Work S7S GTX lautet die dokumentierte Kennzeichnung S7S FO HRO HI CI AN. Sie steht für S7S-Schutz mit nichtmetallischer PS-Einlage und Wasserdichtheit des gesamten Schuhs, kraftstoffbeständige und kontaktwärmegeprüfte Laufsohle, Wärme- und Kälteisolierung sowie Knöchelschutz.

Das Beispiel zeigt, warum die Hauptklasse nicht die ganze Geschichte erzählt. Erst die Kombination aus Klasse, Zusatzcodes, Passform und Konstruktion beschreibt, für welche Bedingungen ein Schuh ausgelegt ist.

Was bedeuten CE-Zeichen und Zertifikate?

CE-Kennzeichnung

Sicherheitsschuhe sind persönliche Schutzausrüstung. Bevor sie auf dem europäischen Markt angeboten werden, muss der Hersteller ihre Konformität mit der PSA-Verordnung (EU) 2016/425 erklären und die CE-Kennzeichnung anbringen. CE ist kein Qualitätsranking und keine Empfehlung für einen bestimmten Arbeitsplatz.

EU-Baumusterprüfung

Übliche Sicherheitsschuhe fallen als PSA in die Risikokategorie II. Dafür ist eine EU-Baumusterprüfung durch eine notifizierte Stelle erforderlich. Bei erfüllten Anforderungen stellt diese eine EU-Baumusterprüfbescheinigung aus.

EU-Konformitätserklärung

In der EU-Konformitätserklärung übernimmt der Hersteller die Verantwortung dafür, dass das in Verkehr gebrachte Modell dem geprüften Baumuster und den geltenden Anforderungen entspricht.

Prüfe beim Kauf Hersteller und Modell, Größe und Typenkennzeichnung, Norm samt Jahreszahl, Schutzklasse und Zusatzcodes, Benutzerinformation sowie die verfügbare EU-Konformitätserklärung.

So findest du die passende Schutzklasse

  1. Risiken klären: Berücksichtige Stoß- und Quetschgefahren, Nägel, Nässe, Hitze, Kälte, Kraftstoffe, Leitern und unebenes Gelände.
  2. Nässeschutz einschätzen: Unterscheide zwischen wasserbeständigem Obermaterial und Wasserdichtheit des ganzen Schuhs.
  3. Durchtrittschutz wählen: Prüfe, ob P, PL oder PS zur Gefährdung passt.
  4. Zusatzcodes prüfen: HRO, FO, AN oder LG sind nicht allein durch die Hauptklasse abgedeckt.
  5. Passform testen: Achte auf Zehenraum, Fersenhalt, Breite, Schafthöhe, Gewicht und Fußklima.
  6. Unterlagen kontrollieren: Etikett, Benutzerinformation und Konformitätserklärung müssen zum genauen Modell passen.

Hinweis zu Einlagen: Setze nicht beliebige Einlegesohlen ein. Andere Einlagen können den Freiraum unter der Zehenschutzkappe oder elektrische Eigenschaften verändern. Verwende nur nachgewiesene beziehungsweise vom Hersteller freigegebene Kombinationen.

Häufige Fehler beim Kauf

„S3 ist immer wasserdicht“

Nein. S3 schützt das Obermaterial gegen Wasseraufnahme und Wasserdurchtritt. Für die Wasserdichtheit des gesamten Schuhs brauchst du WR, S6 oder S7.

„Je höher die Zahl, desto besser“

S7 bietet mehr Nässeschutz als S3, kann für einen trockenen Innenarbeitsplatz aber unnötig schwer oder warm sein.

„Eine Stahlkappe macht automatisch einen Sicherheitsschuh“

Der vollständige Schuh muss geprüft, korrekt gekennzeichnet und in der EU-Konformitätserklärung erfasst sein.

„CE bedeutet, dass der Schuh für jede Arbeit geeignet ist“

CE bestätigt die Konformität mit den anwendbaren Vorschriften. Die Eignung für eine Tätigkeit ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung.

Pflege, Verschleiß und Reparatur

Kontrolliere Sicherheitsschuhe regelmäßig auf Schnitte, offene Nähte, abgelaufenes Profil, Sohlenablösungen, sichtbare oder verformte Zehenschutzkappen, beschädigte Membranen und Risse. Reinige und trockne sie nach Herstellerangaben; starke direkte Hitze kann Leder, Klebstoffe, Membranen und Sohlenwerkstoffe beschädigen.

Bei Sicherheitsschuhen ist eine Reparatur keine gewöhnliche Schuhreparatur. Sie darf die geprüfte Konstruktion nicht unkontrolliert verändern. Kläre vor Neubesohlungen oder dem Austausch sicherheitsrelevanter Teile, ob der Hersteller die Maßnahme zulässt. Für eine erste Einschätzung kannst du unseren Reparaturservice für Bergschuhe kontaktieren.

Fazit: Erst das Risiko, dann die Klasse

Die Hauptklasse zeigt das grundlegende Schutzpaket. Endungen wie P, PL und PS erklären den Durchtrittschutz, während Zusatzcodes besondere Eigenschaften kennzeichnen. Für trockene Innenbereiche kann S1 ausreichen. S3 ergänzt Schutz des Obermaterials, Durchtrittschutz und Profilsohle. S7 fügt die geprüfte Wasserdichtheit des gesamten Schuhs hinzu.

Entscheidend ist nicht die höchste verfügbare Klasse. Der passende Sicherheitsschuh verbindet die Anforderungen aus der Gefährdungsbeurteilung mit sicherer Passform, tragbarem Gewicht und den Zusatzfunktionen, die du wirklich brauchst.

Entdecke unsere Sicherheitsschuhe oder sieh dir den La Sportiva Nepal Work S7S GTX an.

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